Die Auferstehungen deiner unsichtbaren Frühlinge –
Predigt im ökumenischen Blickwinkel am 11. April 2018,
in der reformierten Stadtkirche

Auch als PDF blickwinkel-2018

Es ist das Bewegendste,
dieses sich Rühren vom Anfang her…

Inmitten der Nachrichten von den höchsten Bergen und Tälern dieser Erde:
Zuckerberg und Syrien, der Absturz eines Militärflugzeuges in Algerien,
der Name Orban in allen Medien …

Doch es ist und bleibt das Bewegenste,
dieses sich Rühren vom Anfang her…

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott.

In Ihm war das Leben, das machten sie tot –
wie Menschen das wieder und wieder tun durch die Zeiten von Anbeginn,
und die Natur tötet es auch, das Leben, ohne die Antwort abwarten.
Es stirbt wie alles und jedes stirbt.

Und wir haben die Welt wie sie ist,
und alle die Zweifel besungen in dem bewegenden
Osterlied:
„Ich hör die Botschaft: Jesus lebt!
Doch seh ich nur: Die Welt erbebt,
weil Krankheit herrscht und Tod und Krieg.
Wo find ich Jesu Ostersieg?
Herr, steh mir bei!“

Es ist das Sterben derer,
die wir lieben, neiden, nicht begreifen – nie,
die wir suchen und niemals finden,
die uns stören oder ängstigen,
die wir kaum kennen oder gerne gekannt hätten,
deren Freund wir gerne gewesen wären oder Liebe – und es sind.
Glück, das gestorben sein wird.

Und es ist das Sterben in der Katastrophe und im Krieg,
im Spital und in einem Unfall …

Es ist Dein Sterben
Es ist mein Sterben
Es ist mein Grab

Doch dann fielen einmal meine Augen auf diese wunderbaren Worte:
„Und immer, wenn Du an einem offenen Grab stehst,
Rührt sich das Wort, das am Anfang war.“

Wir wissen nicht, dass wir im Glück sind, immer im Werdeglück
von diesem Anfang her – Du und ich und die Welt
Warum weinen wir dann?
Das ist weil im tiefen Grund der Tränen,
Gott uns berührt mit seinem Wort

Die Auferstehungen deiner unsichtbaren Frühlinge
sind in Tränen gebadet.
Der Himmel übt an dir Zerbrechen.
Du bist in der Gnade.
sagt Nelly Sachs

Und Jesus hat alles ausgekundschaftet und die Tiefe der Gottheit ausgelotet
Wir sind zu beglückwünschen
Du – auch im Schmerz,
ich, wir glücklichen Erben von Jesu Wissen und Sein.
Auferstehung ist das Siegel auf Jesu Leben:
Ja, so sind wir dran mit Gott und miteinander:
Liebe ist das Herz aller Dinge.

Wir werden es sehen.
Und es singen mit Hiob und allem Hiobhaften dieser Erde:
„Ich weiß dass mein Erlöser lebet.“

Einmal werden wir das immer gewusst haben!
Dass der, der uns so einfach wegstarb am Kreuz
auferstanden ist. Der Erstling – und wir ihm nach:
Du und ich und die Welt und alles Geschaffene!

Und sage nicht:
„So bin ich, und so bleib ich.“
Was dich kränkt, dem entzieh die Bedeutsamkeit.
Was dich schmerzt, das lindere.
Lass Aufersteh-Elan in Deine Abläufe,
etwas wie Frühling.
Denk mehr, vergib mehr, umgeh mehr, lass fahren dahin, was dich böse macht.

Alles, was tot macht, der Tod selbst ist durchlässig geworden.
Es geht weiter mit uns.
Ich vergesse nie den gelesenen Satz:
„Wen Gott in seiner Einmaligkeit geschaffen hat,
den wird er auch bewahren und erhalten.“

So Gottfried Bachl:
„Das Evangelium von der Auferstehung hat ein Merkmal an sich,
indem ich Trost finde über die erloschenen Gesichter.
Es widersteht der Allgemeinheit,
der reinen Idee, der augenlosen Einheit.
Es gibt eine Mystik, die verrührt alles Einzelne,
alles Persönliche, die unzähligen eigengeschichtlichen,
die scharf gezeichneten Individuen zu einem Brei,
in dem alles verschwindet und nichts mehr selbst ist.
Die kommende Herrlichkeit wird einzeln sein,
nichts überspringen, nichts auslassen…
Der kommende Gott wird jedes kennen und anerkennen
und sie werden alle frisch werden in seinem Leben.

Es ist das Persönlichste
Es gilt Dir
Es ist Dir vorausgesagt,
allem, was Du hier noch erleben wirst
und dort!

Darum das Lichtwort von der Auferstehung Jesu mit dieser Freudeleere in sich,
dem Versprechen vom Anfang im Ende:
Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat.
Kommt her und seht die Stätte, wo er gelegen hat.

Und ich muss es hier noch einmal sagen, das schöne gefundene Wort
von DietrichBonhoeffer

„Wer die Auferstehung Jesu Christi gläubig bejaht,
der kann nicht mehr weltflüchtig werden,
er kann aber auch nicht mehr der Welt verfallen,
denn er hat mitten in der alten Schöpfung
die neue Schöpfung Gottes erkannt.“

So will ich mit Dir leben und mit Dir gehen in ein neues Sein:
Die Auferstehungen unserer unsichtbaren Frühlinge
sind in Tränen gebadet.
Der Himmel übt an uns Zerbrechen.
Wir sind in der Gnade.
Du bist in der Gnade

+ Amen