Pfarrer Stefan Haider Portrait

Stefan Haider

Seit September 2025 Vikar, jetzt Pfarramtskandidat unserer Gemeinde

 

 

Was glauben Sie?

Immer wieder gilt es, die eigenen Überzeugungen zu prüfen und sich selbstkritisch der Gretchenfrage zu stellen. Meist geschieht das im Austausch mit anderen Menschen – mit guten Freunden und Freundinnen, alten Bekannten, aber gerade auch im Kreis neuer Gesichter.

In meiner Erfahrung läuft diese Konfrontation etwas offensiver ab als bei Goethe. Ob auf längst vergangenen Studierendentreffen, wo ich als Theologe „geoutet“ wurde, oder bei heutigen Gesprächen im Park oder Pub – irgendwann fällt der Satz: „Und das glaubst du wirklich?“

Pfarrer zu werden, war lange Zeit nicht mein Plan. Doch die Gretchenfrage führt nicht zu unveränderlichen Antworten, und so ließ mich ein fröhlicher Sprung ins Vertrauen schließlich in diesem schönen Beruf landen.

 

Was glaube ich also?

Ich glaube, die Bibel ist das „realistischste“ Buch, das wir haben – keinesfalls, weil all ihre Texte und Beschreibungen wörtlich zu nehmen sind, sondern weil sich in ihr jegliche menschliche Emotion und Erfahrung wiederfindet. Gottes Wort tröstet uns und verlangt uns zugleich Veränderung und Wachstum ab. Dabei bin ich überzeugt: Ein einziger Satz hat nie nur einen Klang. Jede Übersetzung, jede Lesung eines Textes ist bereits Interpretation – und genau darin sind uns Freiheit und Verantwortung unmittelbar und untrennbar gegeben.

Ich glaube, dass in Worten Kraft liegt. Und wenn wir die Bibel – das Buch der Bücher – auch als „Wort Gottes“ bezeichnen, dann liegt darin ein großer Schatz an Kraft. Aber: auch an Herausforderung. Denn die Bibel ist ein Skandal: Sie wagt es, unsere Ordnungen, Regeln und Gepflogenheiten zu hinterfragen. Wenn der Herr spricht: „Siehe, ich mache alles neu“ [Offb 21,5], dann ist Gottes Reich kein Erhalt des Status quo.

Ich glaube, dass Segen wirkt – und dass Segen und Zuspruch notwendiger sind denn je. „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein“, spricht Gott zu Mose [Gen 12,2]. Wir Menschen gehen anders in die Welt, anders in den Alltag, wenn wir durch Wort und Tat Bekräftigung erfahren. Darin erkenne ich das Wirken des Geistes Gottes – innerhalb wie außerhalb des Gottesdienstes.

 

Ich glaube, der Gottesdienst ist Feier und Fest zugleich. Er gibt uns Struktur und einen Moment des Durchatmens, er durchbricht den Alltag und ist zugleich einer der letzten leistungsfreien Räume, die uns bleiben. Deshalb freue ich mich immer wieder, diesen Raum zu öffnen und gemeinsam mit anderen dieses Fest zu feiern.

Ich glaube, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort hat. Ich glaube, dass Jesu Heilshandeln und Gottes Gnade uns dazu befreien – ja dazu aufrufen! –, endlich menschlicher sein zu können, gottebenbildlicher, liebevoller untereinander. Damit läuft am Ende alles auf eines hinaus: Beziehung. Diese will ich leben – mit Glauben, in Freiheit und Verantwortung, im Weinen und Lachen, in der Begleitung von Menschen und, hoffentlich, mit a bisserl Schmäh.

 

Was glauben Sie?

Ich freue mich, es gemeinsam herauszufinden!

Stefan Haider

Mailadresse: stefan.haider@stadtkirche.at