Ostern: Alles Leben fällt lichtwärts!
Predigt am Ostersonntag, 1. April 2018

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Ein Stammtischler kehrt zurück von seinem Afrika- Urlaub.
Und erzählt von seinen Erlebnissen
„Ja, da war ich in der Wüste so ganz allein.
Plötzlich faucht es hinter mir.
Ich drehe mich um, und sehe einen Löwen!
Ich nix wie rauf auf den nächsten Baum.“
Ein anwesender Oberlehrer: „Aber in der Wüste gibt es doch keine Bäume!“ –
„Du kannst mir glauben, das war mir in dem Augenblick ganz egal.“

Leben
es wird dir gegeben
und wieder genommen
dieses Gesetz
gilt für alles
vielleicht sogar
für den Tod
Andreas Knapp

Ja, so ist es richtig geahnt, gewünscht, geglaubt, geträumt,
antwortet das Wunder,
das zu Ostern geschah, dem Dichter und uns:

Dem Tod wird der Tod genommen.
Einmal und dann immer und dann Dir:
Dir wird Dein Tod genommen.

Ostern, dieses Wundergesetz jenseits aller Gesetze
hebt den an die Erde gebundene Artikel der Erdanziehung außer Kraft
und wirkt das neue Sein und den Sinn für Ewig,
an dem wir auf der Seite des Sichtbaren arbeiten und scheitern
und nach dem wir suchen und ihn nicht finden.

Wir leben hier immer in Sehnsucht –
Zu Ostern findet sie ihr Ziel.

Das Mysterium von Nichtsein und Nichtzeit und Schwarzlicht
vom Karfreitag findet seine Erfüllung im
Mysterium vom leeren Grab des Jesus,
aus dem er ins Leben gegangen ist
in das Sein und die Zeit aus dem Ewigsinn und der Liebe,
die durch alles wirkte und wirkt, immer und je.

„Wem sonst als dir“ schreibt Leonard Cohen in hohen Tagen:

In den Augen der Menschen ist er gefallen,
und so sieht er es selbst: den Sturz vom Sockel,
dem Monument seiner großen Taten.
Tief fällt er,
dir zu Füssen,
eine Bekanntschaft auf unterster Ebene.
Welch Trauerspiel, reden die Leute …
Indes, er fällt nicht ins Bodenlose,
er fällt lichtwärts,
und niemand sieht, was ihn auffängt, wer ihn trägt,
und er selbst weiss nicht, wie ihm geschieht,
bis sein Herz den erkennt und preist, der ihm Stütze ist.
Und da er fällt, ohne zu fallen,
erfährt er den tiefen Ratschluss seines Sturzes,
und er ergibt sich willfährig.
Gesegnet seist du, Halt und Hüter der Fallenden.
Fallend steigt er hoch ins Firmament, der Sonne entgegen, ohne ihre Strahlen
fürchten zu müssen. Gesegnet seist du, Schirm und Schild der Fallenden.
Geborgen im Fall, wird ihm Weg und Platz gewiesen.
Windgepeitscht erreicht er das höchste Ziel seines Sturzes.
Gesegnet seist du, Flügel der Fallenden,
Schöpfer des Lichts, Herr über unser Schicksal.

Ostern: Alles Leben fällt lichtwärts!
Alles Leben und Du
an diesem neuen Morgen – nicht von hier.

Zwischenfrage:
Warum muss man sich eigentlich bei der Wahrsagerin anmelden?

Es ist aber das wunderbare Gesetz nicht von dieser Welt:

„Die Brötchen sind ja von gestern. Ich will welche von heute haben.“ –
„Dann kommen Sie morgen wieder.“

So geht es doch unter uns Menschen, das kennen wir doch.
In unscheinbarem Kleinen,
im großen ganzen mächtigen Gefüge der Mächtigen dieser Erde,
Wann kommt die Welt in den ihr zugedachten Raum und Zustand der Gerechtigkeit?

Am Karfreitag in den Abendstunden fuhr ich noch
in das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern,
um eine Frau aus unserer Gemeinde zu besuchen.
Ich fand sie auf dem Weg der Besserung …
Im Anschluss war ich in ein kleines Kaffee,
gleich in der Stumpergasse gegangen,
dort traf ich – und es war kein Zufall – es war gefügt –
ein mit uns seit Jahren liebes befreundetes Ehepaar.

Ich habe Ihnen, dieser Gemeinde hier,
vor etwa 16 Jahren von diesem Paar erzählt.
Damals war der Mann einer furchtbaren Anklage ausgesetzt …
Seine damalige Frau hatte ihn beschuldigt,
den gemeinsamen Sohn zu missbrauchen.
Eine Welt war ihm zusammen gebrochen,
die eigenen Eltern des Beschuldigten hatten dem bislang erfolgreichen Sohn
jedwede Parteinahme für ihn, geschweige denn, an seine Unschuld zu glauben,
verwehrt.
Ganz nach dem Motto: Wo Rauch ist, da muss auch Feuer sein.

Wir hatten damals – vor 16 Jahren –
über eine wunderbare befreundete Anwältin
einen guten Anwalt für diese Fälle gefunden.
Der Mann wurde frei gesprochen.
Seine Frau war ihm immer – alle die Jahre – ungebrochen zur Seite gestanden.
Doch an ihm haftete der Schatten dieser möglichen Schuld –
zumindest in seiner Familie. Das Thema wurde verschwiegen.
Das Kind wurde von seiner geschiedenen Frau
nach Russland zu den Großeltern geschickt.
Der Vater konnte und wollte wohl auch sein Kind nicht sehen.
„Wenn, das muss er von selbst kommen“, hatte er immer wieder in Trauer gesagt.

Vor ein paar wenigen Wochen ist er zum Vater zurück gekommen
Im vollen Bewusstsein, der Manipulation,
die an ihm als ein Kindheitsverbrechen begangen worden war –
in der Sehnsucht, seinen Vater endlich zu finden.

Der Vater sitzt uns gegenüber mit einem Lächeln
aus einer schmerzgeläuterten Tiefe.
Meine Eltern freuen sich sehr über ihren 20 Jährigen Enkel,
sagt er ohne jede Anklage.

Jedem Abgrund des Bösen
Steht ein Strahl des Guten gegenüber,
schreibt Josef Bruckmoser in den Salzburger Nachrichten.

Der Strahl der Guten aus dem Nicht von hier:
Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wir er gesagt hat.

Auferstanden worden von Gott dem allmächtigen, dem liebenden,
dem Sinnschenker und liebendem Lebendigen,
Lichtwesen, dem schlagenden Herzen der Welt!

Und das ist wohl unsere Osteraufgabe: Ostern zu glauben:
„Wer die Auferstehung Jesu Christi gläubig bejaht,
der kann nicht mehr weltflüchtig werden,
er kann aber auch nicht mehr der Welt verfallen,
denn er hat mitten in der alten Schöpfung
die neue Schöpfung Gottes erkannt.“
Dietrich Bonhoeffer

Und wenn Du nur willst, landest Du richtig mit Deinem ganzen Leben in Ostern:

Ein Airbus landet. Der Pilot steigt in die Bremsen und bringt
das Flugzeug gerade noch vor dem Ende der Runway zum Stehen.
Sagt er zum Copiloten:
„So eine kurze Landebahn ist mir noch nie untergekommen.“
Der Copilot schaut links und rechts aus den
Cockpitfenstern und meint:
„Na ja, dafür ist sie mindestens 4 km breit…….“

Wir ahnen ja, was gilt, wir ahnen ja, wir wissen.
Und am Ende werden wir sagen: Wir haben es immer gewusst!

Und heute zu Ostern das ganze Gedicht,
aus dem ich vor Ostern in der Furche zitiert habe:

alphabet (12) Inger Christensen
das leben, die luft die wir einatmen gibt es
eine leichtigkeit in allem, eine gleichheit in allem,
eine gleichung, eine offen bewegliche aussage
in allem, und während baum um baum hinaufbraust in
den frühen sommer, eine leidenschaft, leidenschaft
in allem, als gäbe es für das spiel der luft mit
dem fallenden manna eine einfache modellzeichnung,
einfach wie wenn das glück massenhaft nahrung hat
und das unglück keine, einfach wie wenn die sehnsucht
massenhaft wege hat und das leiden keine,
einfach wie der heilige lotus einfach ist
weil man ihn essen kann, eine zeichnung so einfach
wie wenn das lachen dein gesicht in luft zeichnet
„Ihr werdet euch aber freuen
mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,
wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt,
nämlich der Seelen Seligkeit.“ – Petrus über 1. Petr 1,8b.9

+ Amen. Osteramen. Ja!