Predigt über: Psalm 51, 12 – 14

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Predigt

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Das ruft der Geist Gottes mir zu
Es ruft durch alle Lande,
und er meint Dich und er meint mich
und er oder sie
meint die Kirche und meint jede Kirche
und jeden Menschen
und sie meint Mann und sie meint Frau
und Kind und Tier und Pflanze.
Und der Heilige Geist ruft ins Leben,
oder sie weht Dich an.

Ach die Welt ist der Wunder voll
und Du bist gewusst von ewig
und alle Mauern und Grenzen sind schon übersprungen im Fest,
das wir begehen heute.

Und ich erinnere mich eines gelesenen Satzes, einmal aufgeschnappt in der UBahn:
„Das Normale ist das Gefährliche“.

Wie wir uns einkasteln und zwängen in die Figuren,
die ein Falschsinn diktiert, Haben, Sein-müssen und Gelten-vor-der-Welt.
Das Normale hetzt und es führt in die Angst
und den Krieg und trennt uns ab vom Leben.

Misstraue dem Zwang und jedwedem Gebaren menschlicher Macht –
sei sie auch noch so klein, sei sie groß!
Das ruft der Geist, die Ruach, der Windhauch und das Brausen Gotte mir zu —

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

Das rufe ich laut mit, bauend noch am Turm zu Babel!

Es gibt ein Pfingstlied, das ich nie vergesse – von Konstantin Wecker:

Gerodete Dschungel, zerdachte Natur,
bald bleibt den tapfersten Bäumen
nur noch übrig, zerhackt und mit Politur
vom Blühen und Werden zu träumen.

Dann müssen wir unsere verplante Welt
mit eisernen Lungen versorgen.
Wir haben die Erde so schlecht bestellt
und betrügen noch heute das Morgen.

Doch wie wir auch strampeln, wie wir auch plärrn,
wir erreichen nur die Staffagen:
Der Staat dient den stets anonymeren Herrn
aus den obersten Etagen.

Und das soll dann alles gewesen sein –
ein Leben ganz ohne den Wind?
Versorgt und verplant und ohne Idee,
was wir wollen und wer wir sind.

Und das soll dann alles gewesen sein –
probieren, studieren, stolzieren,
um unser Versagen dann irgendwann
etwas besser zu interpretieren?

Die Lämmer halten sich Wölfe zur Zeit,
die reisen in Schafpelzsachen.
Wir belächeln zwar laut ihre Lächerlichkeit,
aber üben schon heimlich ihr Lachen.

Zur Rettung verschreibt man uns Pharmaglück,
als könnt man ums Leid sich drücken.
Und wenn wir dann heillos gerettet sind,
steigt das große Geschäft mit den Krücken.

Doch wie wir auch strampeln,
wie wir auch plärrn, wir erreichen nur die Staffagen:
Der Staat dient den stets anonymeren Herrn
aus den obersten Etagen.

Und das soll dann alles gewesen sein
ein Leben ganz ohne den Wind?
Versorgt und verplant und ohne Idee,
was wir wollen und wer wir sind.

Und das soll dann alles gewesen sein
probieren, studieren, stolzieren,
um unser Versagen dann irgendwann
etwas besser zu interpretieren?

Und das soll dann alles gewesen sein
Glück und Tränen verflogen?
Einsilbig alles zu Ende gedacht
und um Ewigkeiten betrogen.

Schaffe in mir, Gott, ein weites Herz
und gib mir einen neuen gewissen Geist.
Lass mich nicht irregehn,
deinen heiligen Geist flöße mir ein.
Stärke mich wieder mit deiner Freiheit
und mit freudevollem Geist rüste mich aus.

Und ein Pfingstjubel ist mir schon in der Seele,
denn ich weiß so wunderbar, dass es Lösungen gibt für die Fragen …
Der heilige Weltgeist ist wach und er weht wo er will.
Und wir sollen Lösungen suchen ja – aber im Vertrauen.
Die Wahrheit über unserem Leben muss uns dennoch nicht einfallen.
Wir müssen uns nicht erfinden und die Formel der Welt ist nicht durch uns.

Wir sind doch, wie Peter Sloterdijk sagt
„Hörer einer Stimme,
die mich zu mir ernennt,
mich mir vorhersagt
und mir meinen Weg des eigensten Seinkönnens verheißt“!

Die Wahrheit kommt über uns wie von ewig,
wie die Welt uns wurde und ihren Bestand hat in eines anderen Hand –
ein Flammentanz über Deinem Denken,
über deinem Glauben sagt Dich neu.

Gott,
dass Du so überfließen kannst
und dass solch ein Über-Mut
unendlich mehr Mut kommt von Dir,
sollen wir Kirchen sehen und es nehmen als das Urbild von Kirche:
Ecclesia. Du rufst uns heraus aus unsren Geschäften und Irrtümern.
Ach, wie Du uns liebst. Nie sollen wir alleine sein.
Der Tröster ist in dieser Welt.

Mein Gott, Geist, Geistin, Ruach, zarter Hauch und Wind und Sturm,
Feuerflamme und Begeisterung in uns, Esprit, Spiritus vivendi!
Das ist die Kirche,
wo dies geschieht und wir alle ins Wesen kommen,
zu Dir als zu uns selbst.

Du Glück Deiner Herde auf der Erde und in mir.

Ich Du
„Hörer einer Stimme,
die mich zu mir ernennt,
mich mir vorhersagt
und mir meinen Weg des eigensten Seinkönnens verheißt“!

Was das meint, habe ich im Taufgespräch von Ryan Speedo Green erfahren dürfen.
Sein Sohn wird drei Namen haben,
den ersten von seinen Eltern, die zweiten aus dem Leben von Ryan Speedo Green.
Und ich höre von der schweren Kindheit
und wie sehr er in Gefahr war, vom rechten Weg abzukommen-
Als Teenager renitent, fängt eine Lehrerin ihn auf,
lässt ihn nicht fallen, sondern begleitet ihn auf seiner Suche,
hält ihn bei sich und führt ihn zu sich selbst.
Als er singt,
macht sie den Musiklehrer aufmerksam.
Der liebt die Stimme der jungen Mannes und der Junge sagt, er will an die Met.
Ein aufmerksamer Musikkollege nimmt diesen Wunsch auf
und schreibt dem Jugendlichen eine Liste:
Wenn Du das und das und das machst, dann kommst Du an die Met.
Der Junge verfolgt den Plan und ist 9 Jahre später an der Met.
Zurzeit ist er fix im Vertrag an der Staatsoper in Wien –
und an der Met singt er immer wieder. Die Welt begehrt sein Lied.

Da ist all dies:

Gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe,
und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Oder gestern in der Predigt des Bischofs Michael Curry, da war der heilige Geist:
„Sollte die Menschheit jemals die Macht der Liebe erobern,
es wird das zweite Mal in der Geschichte sein,
dass sie das Feuer entdeckt“, sagte Curry, vor sich zwei brennende Kerzen:
„Martin Luther King hatte recht, wir müssen die Liebe wieder entdecken.“

Gottes-Geist, heiliger Geist, der Liebe Band – es ist in uns allen.
In jedem, in jeder – wer könnte das einem Menschen,
einem Lebewesen absprechen?

Gottes Geist ist selbst dort, wo ich ihn nicht vermute.
Wo immer er weht und wahrgenommen wird,
verbindet er die Menschen wie damals,
als Parter und Meder, Leute aus Mesopotamien,
aus Ägypten, aus Judäa und Asien,
Römerinnen und Juden,
Kreter und Araberinnen einander in ihrer Muttersprache hörten und verstanden.

Das ist der Auftrag an die Kirche,
das ist die wunderbare Pflicht, in die wir genommen sind:
einander hören und verstehen und das Leben lieben in allen Arte und Wesen.

Der Heilige Geist führt uns über uns hinaus in die Seele der Dinge
und alles kommt zum Wesen!

Und nur so will ich bitten:
Schaffe in mir, Gott, ein weites Herz
und gib mir einen neuen gewissen Geist.
Lass mich nicht irregehn,
deinen heiligen Geist flöße mir ein.
Stärke mich wieder mit deiner Freiheit
und mit freudevollem Geist rüste mich aus.

Ein frohes und gesegnetes Pfingstfest wünsche ich Dir!

+ Amen.
Auch als PDF schaffe-in-mir-gott